Annette Schavan Dissertation Plagiat Online

In a move likely to have major political implications, the University of Düsseldorf has revoked the doctoral degree of Germany’s science and education minister, Annette Schavan.

A university committee yesterday evening confirmed accusations, first aired last May, of plagiarism in Schavan’s ethical-philosophical dissertation entitled ‘People and conscience — studies on the conditions, necessity and requirements for formation of conscience today’.

Germany's science minister plagiarized parts of her thesis.

www.dts-nachrichtenagentur.de

In her 1980 thesis, Schavan “systematically and deliberately claimed as her own intellectual achievements which she had in fact not produced herself,” said Bruno Bleckmann, dean of philosophy and chairman of the 15-head committee, in a statement. The committee voted with large majority that Schavan’s PhD degree should be withdrawn.

Schavan, who is now on an official visit in South Africa, has previously admitted “careless mistakes” in her thesis but rejects charges of deliberate deception and plagiarism. Her lawyers say they will challenge the university’s decision at court.

Schavan is the second minister in Angela Merkel’s cabinet to fall from academic grace. Merkel’s former defence minister, Karl-Theodor zu Guttenberg, resigned last year after the University of Bayreuth stripped him of his doctorate. Zu Guttenberg had plagiarized extended sections of his 2006 law thesis.

Zu Guttenberg’s case prompted plagiarism hunters to intensify their search for intellectual dishonesty in politicians’ academic past. Crowdsourcing efforts have since resulted in the formal withdrawal of the PhD degrees of Liberal Democrat European Parliament members Silvana-Koch Mehrin and Jorgo Chatzimarkakis.

Schavan will keep her PhD degree pending the outcome of a final court ruling. But in the current election year her case threatens to become a political burden for the ruling Christian Democrat–Liberal Democrat government coalition.

Merkel has so far stood up for her long-time science minister, one of her most loyal political allies. But pressure is mounting on Schavan to resign. “Schavan has lost all credibility as a science minister,” the Social Democrat’s secretary general, Andrea Nahles, said yesterday. Members of the Greens and the Left Party also called on Schavan to step down.

 

Schlimmer ist es da schon, wenn die Zitatangaben völlig fehlen. Beispiel: „Reglementierende Eingriffe im Mesobereich grenzen die Freiheit des einzelnen immer mehr ein“ heißt es auf Seite 265 der Doktorarbeit. In einer Fußnote dazu hat Schavan ergänzt: „Gemeint ist der gesamte Bereich der Infrastruktur wie z.B. Bildungs-, Verkehrs-, Bau- und Gesundheitswesen.“ Übernommen ist das aus einem Aufsatz des Theologen Franz Böckle. Der schrieb im Original: „In der hochentwickelten Industriegesellschaft scheint die Freiheit des einzelnen durch reglementierende Eingriffe immer mehr eingegrenzt“ und eine Seite später: „es geht nicht ohne vielfältige reglementierende Eingriffe im Bildungssektor, im Verkehr, im Bauwesen [...], im gesamten Gesundheitswesen [...]“. Schavan verknappt hier also lediglich die Argumentation des Autors – ohne das anzuführen. Sie verschleiert die Herkunft ihrer eigenen Argumentation, so der Vorwurf von „SchavanPlag“. 63 solcher Fälle hat der Blog gefunden, teilweise erstrecken sich die nicht belegten Zitate auf mehr als eine Seite. Wenn Schavan hier also noch von „Flüchtigkeitsfehlern“ redet, dann muss sich schon sehr schlampig gearbeitet haben.

Geradezu peinlich wird es für sie allerdings an den Stellen, die das „SchavanPlag“ für eindeutige Plagiate hält, auch wenn die Ministerin noch am 30. Januar betonte: „Ich kann in Anspruch nehmen, nicht plagiiert zu haben.“ Ein Gegenbeispiel findet sich etwa auf Seite 109. Dort heißt es: „Menschliche Triebe sind immer schon personifiziert, d.h. alle Triebhaftigkeit ist beim Menschen immer schon von einer geistigen Stellungnahme überformt.“ Eine Fußnote dazu verweist auf ein Handbuch der Psychotherapie von Viktor Frankl.

Das hat Schavan aber offensichtlich nie gelesen, stattdessen eher die Habilitationschrift des polnischen Psychologen Antoni Nowak – mit 19 Fragmenten nach Einschätzung von „SchavanPlag“ ihre bedeutendste Plagiatsquelle. Denn der schreibt dort: „Alle Triebhaftigkeit ist beim Menschen immer bereits von einer geistigen Stellungnahme überformt. Triebe sind immer schon personifiziert.“ Anschließend verweist er per Fußnote auf die gleiche Textstelle bei Frankl wie Schavan. Pikant daran: Sowohl Nowak als auch Schavan zitieren die Textstelle falsch, im Original steht „personiert“ statt „personifiziert“, außerdem steht das Zitat nicht auf Seite 683 des Originals, wie die Fußnoten behaupten, sondern auf Seite 681, belegt der Blog SchavanPlag.

Öfters Fehler aus Sekundärliteratur abgeschrieben


Durch solche Fehler wird oft deutlich, dass Schavan die Originaltexte, die sie zitiert, nie in der Hand hatte. Mal verweist sie etwa auf den Autor „Bernhard Stöckle“, der aber eigentlich „Stoeckle“ geschrieben wird. Der gleiche Schreibfehler taucht in einem Zitat einer Sekundärquelle auf – das Zitat hat Schavan fast wörtlich übernommen, aber nicht als Quelle angegeben. Mal zitiert sie aus den „Prinzipien christlicher Moral“ von Joseph Ratzinger, dem heutigen Papst Benedikt XVI., schreibt dabei dessen bürgerlichen Vornamen Joseph falsch und gibt 1976 als Erscheinungsjahr an – tatsächlich erschienen die Prinzipien bereits 1975.

Die gleichen Fehler macht der Theologe Alfons Auer in einem Aufsatz aus dem Jahre 1977. Zudem sind beide Zitate selbst wieder fehlerhaft. Dieses Muster wiederholt sich noch auf acht weiteren Seiten. Immer gibt Schavan an, Primärliteratur zu zitieren, obwohl sie in Wirklichkeit – höchstwahrscheinlich – nur aus Sekundärliteratur abschreibt und dabei Fehler übernimmt.

Es wird also schwer für die Ministerin werden, vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf in den kommenden Monaten nachzuweisen, dass sie nicht absichtlich plagiiert hat. Vermutlich ist sie aber bei weitem nicht die einzige Akademikerin, die in den 1980er-Jahren auf solch arbeitserleichternde Tricks bei ihren Arbeiten zurückgriff. Schließlich gab es vor 30 Jahren kein Internet und damit praktisch keine Möglichkeit, plagiierte Textstellen ausfindig zu machen. Damalige Studenten konnten also davon ausgehen, dass ihre Schummeleien nie aufzudecken seien. Auch heute ist das flächendeckend noch sehr schwer – es sei denn, die Internet-Gemeinde schaut gemeinsam etwas genauer hin.

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